Aus gegebenem Anlass weisen wir auf folgendes hin und bitten ausdrücklich um Beachtung:

Achtung

Der technische und Umweltausschuss der Stadt Konstanz hat am 14.12.2017 beschlossen, die Verwendung von Glyphosat-Herbiziden und Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide auf allen städtischen Flächen zu verbieten.

Dieses Verbot gilt auch für alle Mieter und Pächter städtischer Grundstücke und somit auch für die Kleingärtner-Vereinigung e.V. Konstanz im Haidelmoos und unsere Mitglieder.

Was sind Glyphosat-Herbizide? 

 

Glyphosat ist ein Totalherbizid, dass auf allen grünen Pflanzen wirkt. Es blockiert ein Enzym, welches Pflanzen zur Herstellung lebenswichtige Aminosäuren benötigen. Diese Eigenschaft macht den Wirkstoff zu einem effektiven Mittel zur Bekämpfung von Unkraut, alle damit behandelten Pflanzen sterben ab. (mehr dazu ua. hier)

Was sind Neonikotinoide Insektizide?

Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide werden verwendet, um Saatgut zu beizen. Ein chemisches Verfahren, um Rapskörner, Mais, Samen und andere Nutzpflanzen vor Pilzbefall, sowie Käfern, Läusen und Fliegen sowie Maden und Würmern und andere Parasiten zu schützen und damit Ernteerträge zu sichern. Bei den gängigsten Wirkstoffen handelt es sich um Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin, die sich in der Wachstumsphase der Pflanzen in Stängeln und Bechern verteilen. Sie werden aber auch außerhalb der Landwirtschaft gegen diverse Käfer, Termiten, Ameisen und Schaben eingesetzt.

(mehr dazu ua. hier)
 

Warum wurden diese Wirkstoffe verboten?

In der Kritik stehen Glyphosat Herbizide und Neonicotinoide Insektizide vor allem aufgrund des Beitrags, den sie nach gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Problem des Populationsschwundes bei unterschiedlichen Insektenarten, unter anderen Bienen und Hummeln, leisten. Das Bienensterben ist wie auch das allgemeine Verschwinden der Insektenarten inzwischen dramatisch. Die Verwendung der Wirkstoffe stellt daher sowohl mittelbar als er unmittelbar eine Bedrohung für die Artenvielfalt da, deren Schutz und Erhaltung gerade in der Bodenseeregion als besonders wichtig erachtet wird. Darüber hinaus gibt es diverse ernstzunehmende, unabhängige Untersuchungen, die einerseits krebserregende Tendenzen von Glyphosat nahelegen, andererseits die Neonicotinoide Acetamiprid und Imidacloprid Schädigungen des Nervensystems nicht nur bei Bienen, sondern auch bei Säuglingen und Kleinkindern verursachen können.

Unser Verein sieht seine Funktion auch in der Erhaltung der Artenvielfalt und einer gesunden Umwelt für Menschen, Bienen und andere Insekten & Lebewesen.

Wir bitten unsere Mitglieder daher, sofern dies nicht ohnehin schon aus gesundem Menschenverstand erfolgt, auf jegliche Verwendungsart der genannten Mittel, aber auch auf andere vergleichbare Stoffe zu verzichten, die Flora und Fauna und damit zuletzt auch den Menschen schädigen.

Es stehen diverse Alternativen zur Verfügung: neben denen Methoden der manuellen Unkrautvernichtung durch Pendelhacke, Unkrautstecher und Fugenbürste eignen sich vor allem thermische Verfahren wie Abflammgeräte, Infarotstrahlung oder Hochdruckreiniger. Natürlich sind diese mit Arbeit verbunden. Dafür wird aber der Gifteintrag in die Natur, in den eigenen Kleingarten und damit auch in das eigene Erntegut reduziert. Auch die Neonicotinoide lassen sich durch biologisch weitaus verträglichere Alternativen ersetzen, etwa durch den Einsatz von Nützlingen wie Schlupfwespen und Florfliegen gegen Blattläuse. Auch der Einsatz von Neemöl, Kieselgur und Kaliseife hat sich bewert.

Die Kleingärtner-Vereinigung e.V. Konstanz im Haidelmoos hat mit der Stadt Konstanz für ihre Pachtfläche, auf der sich unsere Gärten befinden, einen Vertrag geschlossen und sich verpflichtet, das Verbot zu beachten. Das haben auch alle Vereinsmitglieder zu befolgen.

Es ist also neben den Belangen des Umweltschutzes und einer möglichst giftfreien Bewirtschaftung unserer Kleingärten in unser aller Interesse, das Verbot von Glyphosat-Herbiziden und Neonicotinoide-Insektiziden einzuhalten und durchzusetzen. Verstöße dagegen können Bußgelder, Abmahnungen oder die Kündigung des Pacht- oder Unterpachtverhältnisses nach sich ziehen.

Weitere Auskünfte erteilt das Amt für Stadtplanung und Umwelt der Stadt Konstanz.

Weiterführendes:

Bienensterben in 3 Minuten erklärt (Video) https://www.youtube.com/watch?v=R1PAb2My-Qs

Artenschwund. Was man gegen das Insektensterben tun kann (HR-Inforadio)
https://www.hr-inforadio.de/programm/das-thema/was-man-gegen-das-insektensterben-tun-kann,insekten-108.html

SZ.de Artenschwund: Studie rügt konventionelle Landwirtschaft

 http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/agrar-artenschwund-studie-ruegt-konventionelle-landwirtschaft-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-160112-99-869734

Das Umweltbundesamt zum Thema Pestizid Glyposat:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/pflanzenschutzmittel/glyphosat

 

Das Umweltbundesamt mit ausführlichen Informationen rund um das Thema Pflanzenschutz:

 https://www.umweltbundesamt.de/pflanzenschutz-im-garten-startseite

 

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zum Thema Pflanzenschutzmittel für Haus und Kleingarten: www.bvl.bund.de/DE/04_Pflanzenschutzmittel/02_Verbraucher/03_HausKleingarten/psm_HausKleingarten_node.html

Agrarheute: Pflanzenschutzmittel entsorgen: So geht's richtig

https://www.agrarheute.com/news/pflanzenschutzmittel-entsorgen-so-gehts-richtig

 

 

Literatur:

Ein sehr lesenswertes Buch zu Glyphosat, Neonicotinoiden, Fipronil und anderen „Pflanzenschutzmitteln“ hat der Ökologe und assoziierte Professor an der Universität für Bodenkultur Wien Johann G. Zaller geschrieben. Er erforscht mit seinem Team seit Jahren Pestizide und deren Nebenwirkungen. Er veröffentlichte zahlreiche internationale Publikationen und ist Mitherausgeber mehrerer wissenschaftlicher Zeitschriften. Zaller ist Experte der Österreichischen Biodiversitätskommission und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des WWF Österreich.

Johann G. Zaller: Unser täglich Gift. Pestizide. Die unterschätzte Gefahr.
Deuticke Verlag 2018, 240 Seiten, 20 Euro